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Mit dem Hund Spielen und Spaß haben

Mit dem Hund Spielen und Spaß haben

Wie Spielen die Bindung stärkt und Spaß macht

Ist das Spiel oder Wettbewerb?

Spielen ist wichtig für den Hund und macht ihm viel Spaß. Spiel ist aber nicht nur Beschäftigung und Training. Auch soziales Spiel gehört dazu, was oft vergessen wird. Das liegt einerseits daran, dass wir Erwachsene normalerweise auch nicht mehr unbefangen spielen wie Kinder. Zum anderen unterscheiden wir im Deutschen auch nicht zwischen „play“ und „game“. Der Begriff Spiel differenziert nicht zwischen sozialem Spiel und Beschäftigung oder Wettbewerb. Wir nennen alles Spiel, das Fußballspiel, das Computerspiel genau so wie das Rollenspiel. Warum der Unterschied wichtig ist und wieviel Spaß unsere Hunde haben, wenn wir auch mal ausgelassen mit ihnen tollen, herumalbern oder kleine Kämpfchen mit ihnen machen, darum geht es in diesem Artikel.

Was ist Spiel und was nicht?

Mit sozialen Spielen sind alle die Spiele gemeint, die ohne starre Regeln, ohne festgelegte Strukturen und ohne Zielvorgaben auskommen. Im Vordergrund stehen die Spieler und nicht das Spielzeug. Spiel bedeutet also nicht den Ball zu fangen, einen Gegenstand zu apportieren und auch nicht ein Kunststück zu machen. Beim sozialen Spiel gibt es keine Gewinner und Verlierer und ganz wichtig: keine Belohnung. Bekommt der Hund ein Leckerchen als Belohnung, dann handelt es sich meist entweder um ein Erziehungsspiel, ein Intelligenzspiel oder ein Training.

Woher kommt die Motivation für freies Spiel?

Auf die Idee den Hund fürs Herumalbern, Necken oder Tollen zu belohnen, würde man gar nicht kommen. Das ist so als würdest du für alles was du gerne machst, deine liebste Freizeitbeschäftigung, dein Hobby oder in den Urlaub fahren, belohnt werden. Soziales Spiel braucht keine Motivation von außen, es ist selbstbelohnend, intrinsisch motiviert. Das liegt am Bindungshormon Oxytocin, das beim freien Spiel ausgeschüttet wird.

Was ist jetzt mit den anderen Spielen?

Alle Arten von Spiel und Beschäftigung sind schön und wichtig für den Hund. Sie sollen und dürfen weiter gespielt werden. Auch Trainings- und Intelligenzspiele, oder hin und wieder einen Ball werfen, Zum Bällewerfen findest du unten noch einen Link zu einem Video. Das freie Spiel jedoch wird häufig vernachlässigt und leider nicht so oft gespielt, obwohl es Hunden sehr viel Spaß macht. Erziehungs- und Intelligenzspiele haben in unserem Denken oft einen höheren Stellenwert. Den meisten von uns ist einfach nicht bewusst, wie wichtig soziale Spiele für die Mensch-Hund-Bindung sind. Ich habe auch immer gedacht, dass eine starke Bindung Futter und Leckerlis braucht. Dabei sind gemeinsame Aktivitäten viel wichtiger. Und für soziale Spiele braucht man keine Vorbereitung, sie können jederzeit zwischendurch gespielt werden und vertiefen die Mensch-Hund-Bindung nachhaltig. Aber warum das so ist und warum dies ein natürlicher Vorgang ist, dazu muss man sich Entwicklung vom Junghund zum ausgewachsenen Hund anschauen.

Welche Funktion hat Spielen für die Entwicklung?

Um die Welt zu erkunden, muss der Welpe das Nest verlassen und setzt sich damit einem gewissen Risiko aus. Spätestens wenn er hungrig ist, kommt er jedoch zur Mutter zurück. Zwischenzeitlich verlieren Welpen dennoch nicht den Kontakt zur Mutter, es besteht immer eine unsichtbare Verbindung. Und diese Bindung hat eine überlebenswichtige Funktion, denn sie sorgt für die Sicherheit der Jungtiere. Denn bei Gefahr ist die Mutter sofort zur Stelle und sorgt für seinen Schutz. Ebenso sorgt sie dafür dass der Nachwuchs nie auskühlt und sie ermutigt die Kleinen die Welt zu erkunden, um selbständig zu werden und Fertigkeiten zu trainieren. Gesteuert werden all diese Funktionen vom Bindungshormon Oxytocin.

Warum ist Spielen wichtig für den Hund?

Oxytocin löst starke emotionale Gefühle bei Mutter und Kind aus und stellt die starke, aber unsichtbare Verbindung her. Der biologische und evolutionäre Nutzen des Bindungshormons sorgt für eine höhere Überlebenschance der Jungtiere. Die Mensch-Hund-Beziehung entspricht in vielerlei Hinsicht einer Mutter-Kind-Beziehung. Sowohl hinsichtlich der Abhängigkeit in Bezug auf Nahrungsbeschaffung braucht der Hund seinen Menschen,  aber auch in Bezug auf die soziale Bindung. Möchte man die Bindung zu seinem Hund verbessern, dann sind gemeinsame Aktivitäten und soziale Spiele sehr wichtig.

Wie wirkt sich die Bindung auf das Spielverhalten aus?

Wirken gemeinsame Aktivitäten bindungsfördernd, dann wirkt sich im Umkehrschluss das Bindungshormon auch positiv auf das Spielverhalten von Hunden aus. Es entsteht also eine Wechselwirkung zwischen Bindung und Spiel. Denn eine wichtige Voraussetzung damit Hunde spielen, ist Sicherheit und Vertrauen. Spiel und Bindung verstärken sich also jeweils gegenseitig. Wie sehr unsichere Hunde und Angsthunde vom freien Spiel profitieren und dadurch mehr Selbstvertrauen gewinnen, habe ich selbst ausprobiert. Das ist aber ein anderes Thema und über meine Erfahrungen darüber kannst du demnächst hier mehr lesen.

Wie spielen Hunde miteinander?

Beobachtet man Hunde beim Spielen, dann fallen einige typische Verhaltensweisen auf, die unabhängig von Rasse und Größe wichtige Elemente des Hundespiels sind. Das sind die Spielaufforderung, die schnellen Rollenwechsel, das Spielgesicht sowie spontane Richtungsänderungen und eine Kombination der unterschiedlichen Spielelemente. Bemerkenswert ist, dass trotz der großen körperlichen Unterschiede kleine mit großen, alte mit jungen und agile mit weniger flinken Hunde zusammen spielen können, da jeweils der stärkere, oder fittere Hund sich an den schwächeren oder älteren Hund anzupassen scheint.

Welche Spiele spiele ich mit meinem Hund?

Die Möglichkeiten mit dem Hund zu spielen reichen vom Versteckspielen, Fangenspielen über Maulrangeln und Verfolgungsjagden. Auch Spielsachen sind zum Initiieren von Spiel geeignet, solange nur ein spielerischer Wettbewerb darum entsteht. Wichtig ist, dass der Hund eine gute Beißhemmung hat und auf Abbruchsignale reagiert.

Wer mehr über dieses Thema Mensch-Hund-Spiel lesen möchte, dem empfehle ich das Buch von Udo Gansloßer und Mechthild Käufer:*

Auszeit auf Augenhöhe: Mensch-Hund-Spiel: Kleiner Einsatz mit großer Wirkung

 

Literatur: Gansloßer, U. et al. (2017) Auszeit auf Augenhöhe. Mensch-Hund-Spiel: Kleiner Einsatz mit großer Wirkung. Stuttgart: Franckh Kosmos Verlag.

Infobox

Merkmale von freiem Spiel

 

  • hundesprachliche Spieleinladung (ausschließlich freiwillig)
  • typisches Spielgesicht (bei Hund und Halter)
  • schnelle Richtungswechsel (bei Laufspielen)
  • plötzliche Rollenwechsel (Verfolger wird Jäger)
  • übertrieben ausgeführte Bewegungen
  • Spaß und Freude kommen von innen heraus (intrinsisch)
  • Kreativität bei den Spielelementen
  • Vorausstzung sind Vertrauen und Sicherheit (besonders Angsthunde)
  • Beißhemmung 

Hier noch der Link zum Video mit dem Thema Bällewerfen: Warum Bälle werfen schlecht für deinen Hund ist

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